Wer sein iPad produktiver nutzen möchte, kommt an einem spannenden Feature nicht vorbei: der Maus- und Trackpad-Unterstützung. Seit der Einführung von iPadOS 13.4 am 24. März 2020 hat Apple die Art und Weise revolutioniert, wie wir mit dem Tablet interagieren. Die vollwertige Eingabemethode rückt das iPad näher an einen Desktop-Computer heran und ermöglicht präziseres Arbeiten sowie erweiterte Bedienung mithilfe von Multi-Touch-Gesten.
Die Revolution der iPad-Bedienung
Apple hat mit iPadOS 13.4 einen entscheidenden Schritt gewagt und native Unterstützung für Zeigegeräte implementiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Desktop-Betriebssystemen hat das Unternehmen jedoch einen eigenen Weg gewählt: Der Cursor erscheint nicht als klassischer Pfeil, sondern als runder, kreisförmiger Punkt. Diese Designentscheidung ist alles andere als willkürlich – sie verbindet die Touch-Bedienung mit der Präzision einer Maus.
Besonders faszinierend ist die adaptive Natur dieses Cursors. Er verändert seine Form und Größe dynamisch, je nachdem, über welchem UI-Element er schwebt. Bewegt ihr den Zeiger über einen Button, verwandelt er sich und hebt das Element hervor. Bei Textfeldern nimmt er die klassische I-Beam-Form an, die vom Desktop bekannt ist. Diese intelligente Anpassung macht die Bedienung intuitiv und zeigt, dass Apple viel Gedanken in die Benutzerführung investiert hat.
Welche iPads unterstützen Maus und Trackpad
Nicht alle iPad-Modelle können mit dieser Funktionalität aufwarten. Die Unterstützung beschränkt sich auf folgende Geräte: alle iPad Pro-Modelle, iPad Air 2 oder neuer, iPad der 5. Generation oder neuer sowie iPad mini 4 oder neuer. Sofern euer Gerät iPadOS 13.4 oder eine neuere Version unterstützt, seid ihr startklar für die erweiterte Eingabemethode.
Kompatibilität: Diese Geräte funktionieren mit eurem iPad
Die gute Nachricht vorweg: Die Auswahl kompatibler Eingabegeräte ist erstaunlich groß. Apple unterstützt nicht nur die hauseigenen Produkte, sondern öffnet das System auch für eine Vielzahl von Drittanbieter-Lösungen.
Apples eigene Lösungen
Das Magic Trackpad und das Magic Trackpad 2 gelten als Premium-Option für iPad-Nutzer. Die Glasoberfläche ermöglicht präzise Gesten, die sich nahtlos in die iPad-Bedienung einfügen. Multi-Touch-Gesten wie das Wischen mit drei Fingern zum App-Wechsel oder das Zusammenziehen zum Aufrufen des Home-Screens funktionieren genauso wie am Mac.
Die Magic Mouse 2 wird vollständig unterstützt und bietet dank ihrer berührungsempfindlichen Oberfläche erweiterte Scroll-Funktionen. Bei der Magic Mouse 1 solltet ihr allerdings beachten, dass diese keine Scroll-Gesten unterstützt, da sie technisch anders aufgebaut ist als die zweite Generation. Dennoch bleibt sie eine solide Wahl für grundlegende Mausoperationen, besonders wenn ihr bereits im Apple-Ökosystem unterwegs seid.
Drittanbieter-Mäuse und Trackpads
Hier wird es richtig interessant für alle, die nicht Hunderte Euro ausgeben möchten. Das iPad akzeptiert praktisch jede Bluetooth-Maus, die dem Standard entspricht. Ob Logitech MX Master, Microsoft Surface Mobile Mouse oder günstige No-Name-Produkte – sie alle funktionieren grundsätzlich. Die Kopplung erfolgt über die Bluetooth-Einstellungen, genau wie bei jedem anderen drahtlosen Zubehör.
Auch USB-Mäuse sind kompatibel, allerdings benötigt ihr dafür einen entsprechenden Adapter. Bei iPads mit USB-C-Anschluss funktioniert das direkt über einen USB-C-zu-USB-A-Adapter oder einen Hub. Besitzt ihr noch ein älteres iPad mit Lightning-Anschluss, braucht ihr den Lightning-auf-USB-Kamera-Adapter von Apple. Dieser investiert sich besonders, wenn ihr ohnehin plant, mehrere USB-Geräte anzuschließen.
Einrichtung und Anpassung: So optimiert ihr die Bedienung
Nach dem Verbinden eurer Maus oder eures Trackpads solltet ihr einen Blick in die Einstellungen werfen. Apple bietet überraschend umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten, die viele Nutzer zunächst übersehen.
Grundlegende Einstellungen
Navigiert zu Einstellungen, dann Allgemein, dann Trackpad & Maus. Hier findet ihr Optionen zur Anpassung der Zeigergeschwindigkeit – ein entscheidender Faktor für komfortables Arbeiten. Je nach Bildschirmgröße eures iPads und persönlicher Präferenz solltet ihr hier experimentieren. Eine zu langsame Einstellung macht die Bedienung mühsam, eine zu schnelle beeinträchtigt die Präzision.

Die Option Natürliches Scrollen ist standardmäßig aktiviert. Das bedeutet, dass ihr beim Scrollen in die gleiche Richtung wischt wie am Touchscreen. Mac-Nutzer kennen das bereits, Windows-Umsteiger empfinden es oft als gewöhnungsbedürftig. Probiert beide Varianten aus, bevor ihr euch festlegt. Falls euch die Standardeinstellung nicht zusagt, könnt ihr sie jederzeit deaktivieren.
Zusatztasten programmieren
Viele Mäuse verfügen über zusätzliche Tasten, die sich am iPad sinnvoll nutzen lassen. In den Einstellungen könnt ihr festlegen, welche Aktion beim Klick auf die Sekundär- oder Tertiärtaste ausgeführt wird. Mögliche Zuweisungen umfassen das Öffnen des App-Wechslers, den Sprung zum Home-Screen oder das Aufrufen des Kontrollzentrums.
Praktische Anwendungsszenarien
Die Mausunterstützung entfaltet ihr volles Potenzial in bestimmten Situationen. Bei der Textbearbeitung erleichtert die Präzision einer Maus das Markieren und Korrigieren erheblich. Besonders in Apps wie Pages, Microsoft Word oder Google Docs werdet ihr den Unterschied spüren.
Auch bei der Tabellenkalkulation zeigt sich der Vorteil deutlich. Das Navigieren zwischen Zellen, das Ziehen von Formeln und das Auswählen von Bereichen funktioniert mit einer Maus deutlich effizienter als per Touch. Numbers und Excel werden so zu vollwertigen Produktivitätswerkzeugen.
Kreative profitieren bei der Bildbearbeitung von der feinen Steuerung. In Apps wie Affinity Photo oder Adobe Lightroom ermöglicht die Maus präzise Maskierungen und Anpassungen. Kombiniert mit dem Apple Pencil für direktes Zeichnen ergibt sich ein flexibles Arbeitssystem.
Einschränkungen und Workarounds
Trotz der ausgereiften Implementierung gibt es Situationen, in denen die Mausunterstützung ihre Grenzen zeigt. Einige Apps sind nicht vollständig für die Cursor-Bedienung optimiert, was zu unerwarteten Verhaltensweisen führen kann. In solchen Fällen hilft nur, auf Touch zurückzugreifen oder auf eine besser angepasste Alternative umzusteigen.
Die rechte Maustaste funktioniert nicht in allen Apps identisch. Während sie in vielen Programmen ein Kontextmenü öffnet, reagieren andere Apps überhaupt nicht darauf. Hier zeigt sich, dass Entwickler ihre Software explizit anpassen müssen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.
Lohnt sich die Investition
Die Frage nach dem Mehrwert hängt stark von eurer Nutzung ab. Wer das iPad hauptsächlich zum Medienkonsum oder für gelegentliches Surfen verwendet, wird kaum Vorteile spüren. Die Touch-Bedienung ist in diesen Szenarien oft sogar schneller und direkter.
Anders sieht es aus, wenn ihr produktiv arbeitet. Das Bearbeiten längerer Texte, das Arbeiten mit Tabellenkalkulationen oder komplexe Bildbearbeitung profitieren enorm von der Präzision einer Maus. In Kombination mit einer Tastatur verwandelt sich das iPad in ein vielseitiges Arbeitswerkzeug, das den Laptop in vielen Situationen ersetzen kann.
Der finanzielle Aufwand muss nicht hoch sein. Eine günstige Bluetooth-Maus für 15 bis 30 Euro reicht völlig aus, um die Funktionalität zu testen. Gefällt euch die Arbeitsweise, könnt ihr später auf hochwertigere Modelle upgraden. Das Magic Trackpad ist zweifellos das beste Erlebnis, aber auch günstigere Trackpads von Logitech oder anderen Herstellern liefern solide Resultate.
Die Maus- und Trackpad-Unterstützung des iPads ist ein unterschätztes Feature, das die Flexibilität des Geräts erheblich erweitert. Sie zeigt, wie Apple die Grenzen zwischen Tablet und Computer zunehmend verwischt und Nutzern mehr Wahlfreiheit bei der Bedienung gibt. Wer bereit ist, sich auf diese Arbeitsweise einzulassen, erhält ein überraschend vielseitiges Werkzeug.
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